Filmkritik: Biutiful

Deutscher Kinostart: 10. März 2011

7 von 10 Punkten

Originaltitel: Biutiful

Uxbal (Javier Bardem) ist ein hingebungsvoller Vater, verzweifelter Liebhaber und Kleinganove im Untergrund von Barcelona. Ein Mann, den die Last seines Lebens und immer neuer Herausforderungen erdrücken würden, hätte er nicht die Liebe zu seinen Kindern Ana (Hanaa Bouchaib) und Mateo (Eduard Fernández). Sie hält ihn aufrecht, wenn es nicht weiterzugehen scheint. Für das Leben seiner Kinder gibt Uxbal alles, während er mit nicht immer legalen Mitteln versucht zu überleben. Wie ein Wanderer bewegt sich Uxbal zwischen den Welten am Rande eines modernen, unbekannten Barcelonas, auf der Suche nach Versöhnung mit seiner Frau Marambra (Maricel Álvarez), seinen Kindern und doch letztendlich mit sich selbst.

Kritik: Zuerst muss folgendes festgehalten werden: Der Filmemacher Alejandro González Iñárritu beweist hier, dass er eine Geschichte auch linear erzählen kann. Manchmal weiß der Mexikaner allerdings nicht, wie viel Leid und Glücksmomente ein Film mit der immensen Laufzeit von fast 150 Minuten verträgt. Das emotional stark aufgeladene „Biutiful“ ist ein für Inárritu typisch komplexes Konstrukt: eine ungerechte Welt, wo jeder sich und seiner Familie selbst der Nächste ist und wo sich in den Schmuddelecken Barcelonas menschliche Tragödien abspielen. Es wird geweint, gestorben, gelitten und auch gelacht.

Iñárritu wollte diesmal bewusst von seiner üblichen Erzählstruktur mit steten Ortswechseln weg. Trotz der Vorgabe klammert er sich dann aber wieder an alte Strukturen: Die bereits in „Babel“ anvisierte Globalisierungsdebatte wird fortgesetzt. Der Filmemacher vermischt das Elend der spanischen Unterschicht mit den unfassbaren Schicksalen der illegalen Einwanderer – ob nun aus dem Senegal oder China. Und der Mexikaner trägt dick auf. Das Drama wirkt in seiner Gesamtheit überladen und schier endlos. Aber dank eines gut aufgelegten Javier Bardem und einer schier großartigen Maricel Àlvarez – dem heimlichen Star des Dramas – ist „Biutiful“ ein sehenswerter Film über das Leben in einer aus den Fugen geratenen Welt.
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Produktionsjahr: 2010
Regie: Alejandro González Iñárritu
Drehbuch: Alejandro González Iñárritu, Armando Bo, Nicolás Giacobone

Text: Arne Hübner, Bild: Prokino Filmverleih



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