Filmkritik: John Irving und wie er die Welt sieht

BRAVE ABER AUCH SEHENSWERTE DOKU ÜBER DEN ERFOLGSAUTOREN

7,5 von 10 Punkten

John Irvings literarische Welten sind satirisch überzeichnet und gesellschaftskritisch – und haben ihren eigenen Zauber. Aber wie entstehen diese schillernden, bisweilen bizarren Erzählwelten? Der Dokumentarfilm „John Irving und wie er die Welt sieht“ gibt einen einzigartigen Einblick in seine Schreibwerkstatt und begibt sich auf Spurensuche zu den Orten und Menschen, die Teil seiner Geschichten geworden sind.

Kritik: „John Irving und wie er die Welt sieht“ ist mehr als irreführend. Jedenfalls der Titel. Denn hier geht es nicht um die manchmal arg konservative Weltanschauung des Bestsellerautors, sondern um seine Arbeitsweise. Die Dokumentation erzählt aus sympathischer Fanboy-Sicht wie Irving an seine Romane geht, besucht Schauplätze der Geschichten, spricht mit Personen, die als Vorlage für Figuren dienten. Irving wird in der Dokumentation als grundguter Sympathieträger inszeniert, der im idyllischen Haus am See mit attraktiver Ehefrau, Schmusehund residiert und eben das Traumleben eines Schriftstellers lebt.

Der Kinogänger verfolgt den gut aussehenden Senior als Fitness-Freak, erfährt etwas über die Ängste des Schreiberlings. Da steckt aber im Grund wenig Neues drinnen. Fans des Erfolgsautors, die sich durch die Vielzahl von Interviews gekämpft haben, wissen bereits alles über den ehemaligen Profi-Ringer. Trotzdem ist dieser filmische Einblick in Irvings wonnige Welt sehenswert und kurzweilig. Fans können ihr Idol anschmachten, aufstrebende Autoren erfahren wie es ein Könner macht und Doku-Fans kriegen soliden Nachschub.
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Deutscher Kinostart: 1. März 2012
Originaltitel: John Irving und wie er die Welt sieht
Produktionsjahr: 2011
Regie: André Schäfer
Drehbuch: Hartmut Kaspar, Claudia E. Kraskiewicz
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: W Film

Filmkritik: Young Adult

INHALTLICHE PLEITE AUF HOHEM NIVEAU

6 von 10 Punkten

Einst war Mavis Gary (CHARLIZE THERON) das begehrteste Mädchen der Highschool. Die Jungs waren verrückt nach ihr, die Welt stand ihr offen. Jetzt ist sie 37 Jahre alt. Und steht vor einem Trümmerhaufen: Sie ist geschieden, die Jugendbuchreihe, die sie als Ghostwriterin verfasst, soll eingestellt werden, sie trinkt zu viel, das Leben zieht an ihr vorbei. Bis sie erfährt, dass Buddy Slade (PATRICK WILSON), ihre Jugendliebe, Vater geworden ist. Mavis will ihn aus seinem spießigen Familienleben befreien, endlich an seiner Seite das Leben mit ihm leben, das sie sich immer erträumt hat. Doch die Rückkehr in ihre Vergangenheit erweist sich als schwieriger als gedacht.

Kritik: Die zweite Zusammenarbeit nach „Juno“ von Jason Reitman und Diablo Cody: Im Fokus steht eine End-Dreißigern – egoistisch, verbittert, verliebt. Der plakative Seelenstriptease „Young Adult“ beginnt als Vorzeigestück über urbane Einsamkeit, verkrümmt sich leider alsbald in ein eintöniges Homecoming-Stückchen mit eindimensionalen, dazu noch mit üblen Klischees überzogenen Charakteren.

Das Problem des Dramas: Codys durchwachsenes Drehbuch! Denn Charlize Theron spielt die verbittere Jugendbuchautorin auf dem absteigenden Ast exzellent, das Wechselbad aus Sympathie und Antiphatie mit der psychopathischen (Anti)-Heldin ist gewagt, gelingt weitestgehend. Doch was ist mit der Geschichte? Die (Wieder)-Eroberungsversuche des Vorstadt-Sonnyboys wirken gemessen an der Figur und ihrer Skizzierung überzogen und unpassend, die Kumpelei mit dem geschändeten Dicken ist extrem unglaubwürdig und das Ende wirkt leider äußerst unmotiviert aus dem schmuddeligen Scriptwriter-Ärmel erzwungen. „Young Adult“ ist in seiner schmucken Tristesse unterhaltsam, erreicht allerdings zu keiner Zeit die Dichte von Reitmans Glanzstück „Up in the Air“. Insgesamt – gemessen an den hohen Erwartungshaltungen: eine Pleite auf hohem Niveau.
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Deutscher Kinostart: 23. Februar 2012
Originaltitel: Young Adult
Produktionsjahr: 2011
Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Diablo Cody
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Paramount Pictures Germany

Filmkritik: Extrem laut und unglaublich nah

UNANGENEHMNER EXTREM-KITSCH MIT HEULZWANG

3,5 von 10 Punkten

Der elfjährige Oskar Schell ist ein außergewöhnliches Kind. Sein Vater ist am 11. September im World Trade Center umgekommen. Eines Tages findet Oskar einen geheimnisvollen Schlüssel des Vaters und macht sich heimlich auf eine nicht alltägliche Suche durch die fünf Stadtbezirke von NewYork. Bei seinen Streifzügen begegnet er unterschiedlichen Menschen, die alle sehr persönliche Überlebensstrategien entwickelt haben. Seine Suche endet schließlich dort, wo sie begonnen hat, doch die vielen liebevollen Begegnungen geben Oskar Halt und Trost, um das Geschehene zu verarbeiten.

Kritik: Nach dem 11. September 2001: Ein ängstliches, verschlossenes Bübchen begegnet anderen traurigen Menschen in New York, das Piano klimpert dramatisch, der Junge heult, schreit, rauft sich die Haare, trampelt auf dem Boden herum, seine Segelohren glühen. Dramatisch. Dann blüht er langsam auf, kann am Ende sogar schaukeln. Die Trauer ist vielleicht nicht bewältigt, aber es gibt Hoffnung für Amerika. Stephen Daldrys filmische Adaption von Jonathan Safran Foers Bestseller beutet die Tragödie frech aus, erschafft eine filmische Heulsuse. Sein Extremkitsch verdrischt den Zuschauer emotional fortwährend: Heul doch, heul doch!, schreit die Geschichte.

Schmerzhaft ist zusätzlich das schrecklich hölzerne Overacting von Thomas Horn, der in gestelzter Schultheater-Manier seine abgeschmackten Drehbuchsätze herauspresst. Da kann die Produktion dem nervigen Balg auch gerne zehn weitere Schauspieler der Marke Max von Sydow oder Tom Hanks an die Seite stellen, das ändert im Grunde gar nichts. Was bleibt ist ein sehr anstrengendes Rührstück, einfach nur elender Kitsch, der fies sentimental an die Schmerzgrenze geht. Der Versuch einer kinematographischen Trauerbewältigung ist auf der ganzen Linie gescheitert.
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Deutscher Kinostart: 16. Februar 2012
Originaltitel: Extremely Loud & Incredibly Close
Produktionsjahr: 2011
Regie: Stephen Daldry
Drehbuch: Eric Roth, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Jonathan Safran Foer
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Filmkritik: Sex on the Beach

DERBER BRITISCHER TEENIE-KLAMAUK

5 von 10 Punkten

Die Freunde Will, Neil, Simon und Jay sind nicht gerade das, was man als Traumtypen bezeichnen würde. Immerhin schaffen die Jungs wenigstens ihren Schulabschluss. Ein Erfolg, der gefeiert werden muss: Ab nach Kreta, wo Sonne, Strand, Partys, Alkohol und heiße Sex-Nächte auf sie warten – zumindest in ihren Träumen. Denn auf das, was ihr „Traumurlaub“ für sie bereithält, sind die Jungs nicht vorbereitet: Ein mit „Absteige“ noch freundlich umschriebenes Urlaubsdomizil statt Traumhotel, Dauerkater ohne Frühstück statt Party ohne Ende, Avancen britischer Seniorinnen statt scharfer Strandflirts statt ausschweifender Partynächte.

Kritik: Britische Teenager vergnügen sich im sommerlichen Pauschalurlaub: Saufen, Party, Kotzen. „The Inbetweeners“ in Spielfilmlänge – oder wie der deutsche Verleih dichtet „Sex on the Beach“ – ist eine bereits hundertfach umgesetzte und dementsprechend durchgekaute Melange aus Genre-Produktionen wie „Eis am Stil“, „American Pie“ und „Ballerman 6″. Flache Witze, peinliche Momente, nackte Haut. Kennt man.

Das ist somit keine Filmkunst, sondern faul abgeliefertes Handwerk. Denn das Haltbarkeitsdatum ist bei so manch serviertem Gag weit überschritten. Fat-Jokes, Penis-Witze und MILF-Sperenzchen. Aber manchmal macht „The Inbetweeners“ dann doch Freude, selten, aber der Film hat seine Momente. Natürlich sollte man dabei bedenken, dass diese Momente auch nur Kinogängern Freude bereiten werden, die über die x-te Wiederholung von Al Bundy lachen können beziehungsweise sich auf dieses Niveau herablassen können. Diese Leute werden an einigen guten Gags in „Sex on the Beach“ ihre Freude haben. Einen guten Film werden sie aber indes trotzdem nicht sehen.
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Deutscher Kinostart: 2. Februar 2012
Originaltitel: The Inbetweeners Movie
Produktionsjahr: 2011
Regie: Ben Palmer
Drehbuch: Iain Morris, Damon Beesley
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Universum, Squareone, Walt Disney Studios

Filmkritik: Zettl

DIETLS PLATTER SATIREVERSUCH IST ANTI-UNTERHALTUNG

2 von 10 Punkten

Max Zettl (Michael Bully Herbig) will um jeden Preis in Berlin Karriere machen. Glückliche Umstände helfen ihm dabei – vor allem, weil er sie selbst herbeiführt. Denn er weiß, was man wissen muss und was niemand wissen darf. Mit Charme und ohne Skrupel steigt er vom Chauffeur zum Chefredakteur einer neuen Online-Publikation auf: Mit Paparazzo-Urgestein Herbie Fried (Dieter Hildebrandt), immer schussbereit an seiner Seite, nimmt Zettl die Reichen und Mächtigen, die Schönen und Schamlosen, die Halbprominenten und Volltrottel der Berliner Republik ins Visier.

Kritik: Ohne jegliches Gespür für hintersinnigen Humor, Timing oder Charme holzhammert sich der „Kir Royal“-Macher Helmut Dietl durch sein wahrlich idiotisches Hauptstadt-Happening voll Politfilz und Boulevard-Presse. „Zettl“ ist eine gewollt groteske aber rundum misslungene Medien-Satire über eklige Promis, Lustgreise und notgeile TV-Stars – Dietl kennt sie alle, zeigt die Welt der unmoralischen Politprominenz ungeschminkt. Das ist ganz großes Nicht-Kino. Denn dieses furchtbar überdrehte Berlin-Schmierentheater ist eine Dauerfolter für den Zuschauer: Dietls Star-Ensemble kaspert andauernd herum, serviert fiesen Altherren-Humor, hilflos verfolgt der Zuschauer die abstruse Dummbeutelgeschichte – von Dietl und Co-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre verbrochen.

Hauptdarsteller Bully Herbig ist überfordert, hatte aber am Set wohl auch keine Freiheiten, darf deshalb nur als stotterndes Schimmerlos-Surrogat dümmliche Wortspiele absondern. Obendrein schraubt das schreibende Duo auch noch eine deplatzierte Nebenhandlung in das wirklich grausame Skript. Dietl und Stuckrad-Barre versuchen darin krampfhaft eine Verbindung zur alten Baby Schimmerlos-Serie herzustellen. In der völlig von der Gesamtgeschichte losgelösten Storyline trauern eine sichtlich gelangweilte Senta Berger und Froschhals Dieter Hildebrandt als Anti-Liebespaar den alten Zeiten hinterher. Der Zuschauer tut übrigens das Gleiche. Das ist deutsches Star-Kino zum Abgewöhnen. Eine ganz miese Nummer.
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Deutscher Kinostart: 2. Februar 2012
Originaltitel: Zettl
Produktionsjahr: 2012
Regie: Helmut Dietl
Drehbuch: Helmut Dietl, Benjamin von Stuckrad-Barre
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Filmkritik: The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten

FARBLOSES FAMILIENDRAMA AUF HAWAII

5,5 von 10 Punkten

Matt King (GEORGE CLOONEY), Vater zweier Töchter, ist gezwungen, seine Vergangenheit zu überdenken, als seine Frau nach einem Unfall ins Koma fällt. Unbeholfen versucht er, die Beziehung zu seinen Töchtern, der 10-jährigen Scottie (AMARA MILLER) und der 17-jährigen Alexandra (SHAILENE WOODLEY), wieder zu verbessern, während er mit der Entscheidung ringt, ob er den Grundbesitz seiner Familie verkaufen soll. Von Mitgliedern der hawaiianischen Königsfamilie und Missionaren haben die Kings vor Generationen unschätzbar wertvolles Land erhalten, das zu den letzten unberührten tropischen Strandabschnitten auf den Inseln gehört. Als Alexandra enthüllt, dass ihre Mutter zum Zeitpunkt des Unfalls mitten in einer Affäre mit einem anderen Mann steckte, muss Matt innerhalb einer Woche voller wichtiger Entscheidungen sein Leben mit völlig anderen Augen betrachten.

Kritik: Gentleman Clooney als überforderter Papa im Paradies. Alexander Paynes „The Descendants“ ist ein grimmiges Plätscher-Drama mit ausbaufähigem Witz. Dafür ist die blanke Zurschaustellung der Gefühle so richtig schön menschlich, so brav und bietet so schöne Bilder! Payne ist arg bemüht die schönen Urlaubsbilderlandschaften ständig mit alltäglichem Leid zu konfrontieren, er will das Paradies krampfhaft entzaubern und rüttelt an unserem Nervenkleid. Leider läuft der Produktionsmotor in diesem Ukulelen-Ungemach nicht rund, kommt mehrmals ins Stottern und säuft am Ende dank kräftigen Tränendrückens ab.

Das Üble an „The Descendants“: Das Schicksal der Figuren berührt nicht, ohne Anteilnahme blickt man auf das Treiben in diesem trüben Streifen. So ist die vielfach gefeierte Tragikomödie („mitten aus dem Leben“ sagt die Floskelfee) ein Werk ohne viel Tiefgang aber mit einer äußerst trägen Dramaturgie und einem nimmermüden melancholischen Grundton – eine ziemlich sichere Nummer für Payne, der sich hier auch nicht davor scheut schmierige Seifenoper-Untiefen abzugrasen.
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Deutscher Kinostart: 26. Januar 2012
Originaltitel: The Descendants
Produktionsjahr: 2011
Regie: Alexander Payne
Drehbuch: Alexander Payne, Nat Faxon, Jim Rash
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Twentieth Century Fox of Germany

Filmkritik: Drive

BEGINNT FAMOS UND STINKT DANN LEIDER AB

6,5 von 10 Punkten

Tagsüber arbeitet Driver (RYAN GOSLING) als Stuntman für Hollywood. Erst nachts erwacht der wortkarge Einzelgänger zu Leben, als Fahrer von Fluchtfahrzeugen bewaffneter Einbrüche. Dann lernt Driver seine Nachbarin Irene (CAREY MULLIGAN) kennen – und verliebt sich in die alleinerziehende Mutter. Als Irenes Ehemann Standard (OSCAR ISAAC) aus dem Knast entlassen wird, lässt sich Driver zu einem vermeintlich todsicheren Ding überreden: Mit der erbeuteten Kohle will Standard seine Schulden abbezahlen und Irene eine gesicherte Zukunft bieten. Doch alles geht schief.

Kritik: Wow! Der Einstieg ist atemberaubend, die Bilderflut fasziniert, der Score wummert sich in dein Herz. Das ist zwar nur banale Action aber in ungewohnter Weise minimalistisch und unfassbar ergreifend, spannend. So hätte Anton Corbijn mal „The American“ inszenieren sollen. Es folgen Killerdialoge, eine schwermütige Romanze erblüht. Ganz toll! Und nach einer Stunde wechselt der Däne Nicolas Winding Refn plötzlich den Kurs, die Begeisterung schwindet. Der launische L.A.-Blues verwandelt sich plötzlich in eine unpassende ultrabrutale Nummer, Winding Refn macht aus seinem blassen Helden einen doofen Racheengel, der irre, in stilisierter Zeitlupe und in fast schon koreanischen Ausmaßen losmetzeln darf, zwischendurch treudoof und scheinbar nachdenklich an und in alten Karren herumlungert und dann wieder für das Gute mordet.

Die sowieso schon kaum existente Geschichte schrumpft weiter, der positive Eindruck lässt nach. Die bedrohlich-schönen Momente werden durch die grobschlächtige und sich dahin schleppende Inszenierung der zweiten Hälfte fast gänzlich aus der Erinnerung radiert. Am Ende bleibt ein aufgeblasener Neo-Noir-Thriller mit dicker Style-Schicht, der dank des famosen Soundtracks, einigen wirklich grandiosen Szenen und dem routinierten Spiel der Schauspieler, dann doch nur recht annehmbar geworden ist.
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Deutscher Kinostart: 26. Januar 2012
Originaltitel: Drive
Produktionsjahr: 2011
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Hossein Amini, basierend auf einem Buch von James Sallis
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Universum Film/24 Bilder

Filmkritik: Jack und Jill

ADAM SANDLERS GRÖSSTER FLOP (BISHER)

2 von 10 Punkten

Jack Sadelstein (ADAM SANDLER) ist ein erfolgreicher Werbefachmann und glücklicher Familienvater, der mit seiner Frau Erin (KATIE HOLMES) und seinen Kindern in Los Angeles lebt. Doch vor einem Ereignis graut es ihm jedes Jahr aufs Neue: vor dem Thanksgiving-Besuch seiner Zwillingsschwester Jill (ebenfalls ADAM SANDLER) aus der Bronx. Ihre vielen Extrawünsche und ihre sehr spezielle Art treiben Jack regelmäßig in den Wahnsinn und stellen sein ansonsten beschauliches Leben auf den Kopf. Und dann verliebt sich auch Al Pacino in Jacks dralles Schwesterlein.

Kritik: Was für ein unfähiger Unsinn! Adam Sandler haftet bekanntlich ein schlechter Ruf an. Dabei hat der Mann in seiner Produktionsvita so manchen unterhaltsamen Blödsinn zu bieten – siehe „The Wedding Singer“, „Happy Gilmore“ oder „50 First Dates“. Sein aktueller Krampf „Jack und Jill“ ist aber bei weitem das Übelste aus der Happy Madison-Schmiede, ein wahr gewordener Comedy-Albtraum.

In diesem unterirdischen Trauerspiel irren der feiste Sandler als tollpatschiger Crossdresser mit schlechter Perücke und schriller Stimme, die unfähige Katie Holmes als hilflose und dabei fast schon wieder überforderte Stichwortgeberin und ein sonnenverbrannter Pacino, der scheinbar bereits unter Demenz leidet oder durch illegales Glücksspiel zu diesem filmischen Verbrechen gezwungen wurde, über die Leinwand. Spaß hat bei diesem unerträglichen Anti-Unterhaltungsfilm niemand. Sandler beim Geldzählen scheinbar schon. Der Film ist also der erwartete Totalausfall, den man beim besten Willen nicht schönreden kann und der garantiert keinen Spaß macht. Sorry, aber das ist weder Trash noch Dada oder Prollhumor. Das ist einfach nicht gut, nicht gekonnt, schlichtweg überflüssiger Müll.
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Deutscher Kinostart: 26. Januar 2012
Originaltitel: Jack and Jill
Produktionsjahr: 2011
Regie: Dennis Dugan
Drehbuch: Adam Sandler, Steve Koren
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Sony Pictures