Filmkritik: Sex on the Beach

DERBER BRITISCHER TEENIE-KLAMAUK

5 von 10 Punkten

Die Freunde Will, Neil, Simon und Jay sind nicht gerade das, was man als Traumtypen bezeichnen würde. Immerhin schaffen die Jungs wenigstens ihren Schulabschluss. Ein Erfolg, der gefeiert werden muss: Ab nach Kreta, wo Sonne, Strand, Partys, Alkohol und heiße Sex-Nächte auf sie warten – zumindest in ihren Träumen. Denn auf das, was ihr „Traumurlaub“ für sie bereithält, sind die Jungs nicht vorbereitet: Ein mit „Absteige“ noch freundlich umschriebenes Urlaubsdomizil statt Traumhotel, Dauerkater ohne Frühstück statt Party ohne Ende, Avancen britischer Seniorinnen statt scharfer Strandflirts statt ausschweifender Partynächte.

Kritik: Britische Teenager vergnügen sich im sommerlichen Pauschalurlaub: Saufen, Party, Kotzen. „The Inbetweeners“ in Spielfilmlänge – oder wie der deutsche Verleih dichtet „Sex on the Beach“ – ist eine bereits hundertfach umgesetzte und dementsprechend durchgekaute Melange aus Genre-Produktionen wie „Eis am Stil“, „American Pie“ und „Ballerman 6″. Flache Witze, peinliche Momente, nackte Haut. Kennt man.

Das ist somit keine Filmkunst, sondern faul abgeliefertes Handwerk. Denn das Haltbarkeitsdatum ist bei so manch serviertem Gag weit überschritten. Fat-Jokes, Penis-Witze und MILF-Sperenzchen. Aber manchmal macht „The Inbetweeners“ dann doch Freude, selten, aber der Film hat seine Momente. Natürlich sollte man dabei bedenken, dass diese Momente auch nur Kinogängern Freude bereiten werden, die über die x-te Wiederholung von Al Bundy lachen können beziehungsweise sich auf dieses Niveau herablassen können. Diese Leute werden an einigen guten Gags in „Sex on the Beach“ ihre Freude haben. Einen guten Film werden sie aber indes trotzdem nicht sehen.
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Deutscher Kinostart: 2. Februar 2012
Originaltitel: The Inbetweeners Movie
Produktionsjahr: 2011
Regie: Ben Palmer
Drehbuch: Iain Morris, Damon Beesley
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Universum, Squareone, Walt Disney Studios

Filmkritik: Zettl

DIETLS PLATTER SATIREVERSUCH IST ANTI-UNTERHALTUNG

2 von 10 Punkten

Max Zettl (Michael Bully Herbig) will um jeden Preis in Berlin Karriere machen. Glückliche Umstände helfen ihm dabei – vor allem, weil er sie selbst herbeiführt. Denn er weiß, was man wissen muss und was niemand wissen darf. Mit Charme und ohne Skrupel steigt er vom Chauffeur zum Chefredakteur einer neuen Online-Publikation auf: Mit Paparazzo-Urgestein Herbie Fried (Dieter Hildebrandt), immer schussbereit an seiner Seite, nimmt Zettl die Reichen und Mächtigen, die Schönen und Schamlosen, die Halbprominenten und Volltrottel der Berliner Republik ins Visier.

Kritik: Ohne jegliches Gespür für hintersinnigen Humor, Timing oder Charme holzhammert sich der „Kir Royal“-Macher Helmut Dietl durch sein wahrlich idiotisches Hauptstadt-Happening voll Politfilz und Boulevard-Presse. „Zettl“ ist eine gewollt groteske aber rundum misslungene Medien-Satire über eklige Promis, Lustgreise und notgeile TV-Stars – Dietl kennt sie alle, zeigt die Welt der unmoralischen Politprominenz ungeschminkt. Das ist ganz großes Nicht-Kino. Denn dieses furchtbar überdrehte Berlin-Schmierentheater ist eine Dauerfolter für den Zuschauer: Dietls Star-Ensemble kaspert andauernd herum, serviert fiesen Altherren-Humor, hilflos verfolgt der Zuschauer die abstruse Dummbeutelgeschichte – von Dietl und Co-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre verbrochen.

Hauptdarsteller Bully Herbig ist überfordert, hatte aber am Set wohl auch keine Freiheiten, darf deshalb nur als stotterndes Schimmerlos-Surrogat dümmliche Wortspiele absondern. Obendrein schraubt das schreibende Duo auch noch eine deplatzierte Nebenhandlung in das wirklich grausame Skript. Dietl und Stuckrad-Barre versuchen darin krampfhaft eine Verbindung zur alten Baby Schimmerlos-Serie herzustellen. In der völlig von der Gesamtgeschichte losgelösten Storyline trauern eine sichtlich gelangweilte Senta Berger und Froschhals Dieter Hildebrandt als Anti-Liebespaar den alten Zeiten hinterher. Der Zuschauer tut übrigens das Gleiche. Das ist deutsches Star-Kino zum Abgewöhnen. Eine ganz miese Nummer.
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Deutscher Kinostart: 2. Februar 2012
Originaltitel: Zettl
Produktionsjahr: 2012
Regie: Helmut Dietl
Drehbuch: Helmut Dietl, Benjamin von Stuckrad-Barre
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Filmkritik: The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten

FARBLOSES FAMILIENDRAMA AUF HAWAII

5,5 von 10 Punkten

Matt King (GEORGE CLOONEY), Vater zweier Töchter, ist gezwungen, seine Vergangenheit zu überdenken, als seine Frau nach einem Unfall ins Koma fällt. Unbeholfen versucht er, die Beziehung zu seinen Töchtern, der 10-jährigen Scottie (AMARA MILLER) und der 17-jährigen Alexandra (SHAILENE WOODLEY), wieder zu verbessern, während er mit der Entscheidung ringt, ob er den Grundbesitz seiner Familie verkaufen soll. Von Mitgliedern der hawaiianischen Königsfamilie und Missionaren haben die Kings vor Generationen unschätzbar wertvolles Land erhalten, das zu den letzten unberührten tropischen Strandabschnitten auf den Inseln gehört. Als Alexandra enthüllt, dass ihre Mutter zum Zeitpunkt des Unfalls mitten in einer Affäre mit einem anderen Mann steckte, muss Matt innerhalb einer Woche voller wichtiger Entscheidungen sein Leben mit völlig anderen Augen betrachten.

Kritik: Gentleman Clooney als überforderter Papa im Paradies. Alexander Paynes „The Descendants“ ist ein grimmiges Plätscher-Drama mit ausbaufähigem Witz. Dafür ist die blanke Zurschaustellung der Gefühle so richtig schön menschlich, so brav und bietet so schöne Bilder! Payne ist arg bemüht die schönen Urlaubsbilderlandschaften ständig mit alltäglichem Leid zu konfrontieren, er will das Paradies krampfhaft entzaubern und rüttelt an unserem Nervenkleid. Leider läuft der Produktionsmotor in diesem Ukulelen-Ungemach nicht rund, kommt mehrmals ins Stottern und säuft am Ende dank kräftigen Tränendrückens ab.

Das Üble an „The Descendants“: Das Schicksal der Figuren berührt nicht, ohne Anteilnahme blickt man auf das Treiben in diesem trüben Streifen. So ist die vielfach gefeierte Tragikomödie („mitten aus dem Leben“ sagt die Floskelfee) ein Werk ohne viel Tiefgang aber mit einer äußerst trägen Dramaturgie und einem nimmermüden melancholischen Grundton – eine ziemlich sichere Nummer für Payne, der sich hier auch nicht davor scheut schmierige Seifenoper-Untiefen abzugrasen.
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Deutscher Kinostart: 26. Januar 2012
Originaltitel: The Descendants
Produktionsjahr: 2011
Regie: Alexander Payne
Drehbuch: Alexander Payne, Nat Faxon, Jim Rash
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Twentieth Century Fox of Germany

Filmkritik: Drive

BEGINNT FAMOS UND STINKT DANN LEIDER AB

6,5 von 10 Punkten

Tagsüber arbeitet Driver (RYAN GOSLING) als Stuntman für Hollywood. Erst nachts erwacht der wortkarge Einzelgänger zu Leben, als Fahrer von Fluchtfahrzeugen bewaffneter Einbrüche. Dann lernt Driver seine Nachbarin Irene (CAREY MULLIGAN) kennen – und verliebt sich in die alleinerziehende Mutter. Als Irenes Ehemann Standard (OSCAR ISAAC) aus dem Knast entlassen wird, lässt sich Driver zu einem vermeintlich todsicheren Ding überreden: Mit der erbeuteten Kohle will Standard seine Schulden abbezahlen und Irene eine gesicherte Zukunft bieten. Doch alles geht schief.

Kritik: Wow! Der Einstieg ist atemberaubend, die Bilderflut fasziniert, der Score wummert sich in dein Herz. Das ist zwar nur banale Action aber in ungewohnter Weise minimalistisch und unfassbar ergreifend, spannend. So hätte Anton Corbijn mal „The American“ inszenieren sollen. Es folgen Killerdialoge, eine schwermütige Romanze erblüht. Ganz toll! Und nach einer Stunde wechselt der Däne Nicolas Winding Refn plötzlich den Kurs, die Begeisterung schwindet. Der launische L.A.-Blues verwandelt sich plötzlich in eine unpassende ultrabrutale Nummer, Winding Refn macht aus seinem blassen Helden einen doofen Racheengel, der irre, in stilisierter Zeitlupe und in fast schon koreanischen Ausmaßen losmetzeln darf, zwischendurch treudoof und scheinbar nachdenklich an und in alten Karren herumlungert und dann wieder für das Gute mordet.

Die sowieso schon kaum existente Geschichte schrumpft weiter, der positive Eindruck lässt nach. Die bedrohlich-schönen Momente werden durch die grobschlächtige und sich dahin schleppende Inszenierung der zweiten Hälfte fast gänzlich aus der Erinnerung radiert. Am Ende bleibt ein aufgeblasener Neo-Noir-Thriller mit dicker Style-Schicht, der dank des famosen Soundtracks, einigen wirklich grandiosen Szenen und dem routinierten Spiel der Schauspieler, dann doch nur recht annehmbar geworden ist.
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Deutscher Kinostart: 26. Januar 2012
Originaltitel: Drive
Produktionsjahr: 2011
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Hossein Amini, basierend auf einem Buch von James Sallis
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Universum Film/24 Bilder

Filmkritik: Jack und Jill

ADAM SANDLERS GRÖSSTER FLOP (BISHER)

2 von 10 Punkten

Jack Sadelstein (ADAM SANDLER) ist ein erfolgreicher Werbefachmann und glücklicher Familienvater, der mit seiner Frau Erin (KATIE HOLMES) und seinen Kindern in Los Angeles lebt. Doch vor einem Ereignis graut es ihm jedes Jahr aufs Neue: vor dem Thanksgiving-Besuch seiner Zwillingsschwester Jill (ebenfalls ADAM SANDLER) aus der Bronx. Ihre vielen Extrawünsche und ihre sehr spezielle Art treiben Jack regelmäßig in den Wahnsinn und stellen sein ansonsten beschauliches Leben auf den Kopf. Und dann verliebt sich auch Al Pacino in Jacks dralles Schwesterlein.

Kritik: Was für ein unfähiger Unsinn! Adam Sandler haftet bekanntlich ein schlechter Ruf an. Dabei hat der Mann in seiner Produktionsvita so manchen unterhaltsamen Blödsinn zu bieten – siehe „The Wedding Singer“, „Happy Gilmore“ oder „50 First Dates“. Sein aktueller Krampf „Jack und Jill“ ist aber bei weitem das Übelste aus der Happy Madison-Schmiede, ein wahr gewordener Comedy-Albtraum.

In diesem unterirdischen Trauerspiel irren der feiste Sandler als tollpatschiger Crossdresser mit schlechter Perücke und schriller Stimme, die unfähige Katie Holmes als hilflose und dabei fast schon wieder überforderte Stichwortgeberin und ein sonnenverbrannter Pacino, der scheinbar bereits unter Demenz leidet oder durch illegales Glücksspiel zu diesem filmischen Verbrechen gezwungen wurde, über die Leinwand. Spaß hat bei diesem unerträglichen Anti-Unterhaltungsfilm niemand. Sandler beim Geldzählen scheinbar schon. Der Film ist also der erwartete Totalausfall, den man beim besten Willen nicht schönreden kann und der garantiert keinen Spaß macht. Sorry, aber das ist weder Trash noch Dada oder Prollhumor. Das ist einfach nicht gut, nicht gekonnt, schlichtweg überflüssiger Müll.
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Deutscher Kinostart: 26. Januar 2012
Originaltitel: Jack and Jill
Produktionsjahr: 2011
Regie: Dennis Dugan
Drehbuch: Adam Sandler, Steve Koren
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Sony Pictures

Filmkritik: The Artist

EIN STUMMFILM AUS DEM JAHR 2011 IST UND BLEIBT EIN STUMMFILM

5 von 10 Punkten

George Valentin (Jean Dujardin) ist der Superstar des großen Hollywood-Kinos der 20er Jahre. Dem unvergleichlichen Charmeur fliegen die Herzen des Publikums zu. Er genießt seinen Ruhm und entdeckt wie im Vorbeigehen das Talent der jungen Statistin Peppy Miller (Bérénice Bejo). Doch mit dem Wendepunkt vom Stummfilm zum Tonfilm stehen die beiden Schauspieler plötzlich zwischen Ruhm und Untergang: Valentin will nicht wahr haben, dass der Tonfilm seine Karriere zu überrollen droht. Für Peppy Miller bedeutet die neue Technik den Durchbruch: Das Sternchen wird zum gefeierten Kinostar!

Kritik: Ein netter Kniff, in der Tat. Michel Hazanavicius dreht einen Stummfilm im Jahr 2011, alle verneigen sich. „The Artist“ verkauft sich als Hommage an das goldene Kinozeitalter, hat eine dieser Epoche entsprechenden altbackene Geschichte, einen nervigen Zuckerwatten-Dauerscore und eine wahnsinnig berechenbare Charakterentwicklung auf Lager. Leider hat Hazanavicius inhaltlich dünner Schwarzweißstreifen außer der gelungenen Atmosphäre und einigen schicken Sets wenig zu bieten. Schade auch, dass „The Artist“ weitestgehend bekannte Klischees wiederholt abbildet – denn so clean, ordentlich und drogenfrei waren die 20er und 30er Jahre schon lange nicht mehr zu sehen. Das ist eben Arthaus-Wohlfühlkrempel, schön zum Zerstreuen der Alltagssorgen und der Sehnsucht nach der guten alten Zeit, einer Zeit oder auch Epoche, die kürzlich noch Woody Allen in „Midnight in Paris“ trefflich thematisierte.

Wer alte Zeiten aufleben lassen möchte, diese unterhaltsam mit den Sehgewohnheiten der Gegenwart aufmischen und daraus im Endeffekt etwas Neues schaffen möchte, sollte bei den Coen-Brüdern und ihren Meisterwerken wie „Barton Fink“ oder „The Hudsucker Proxy“ siegen lernen. Der Retro-Schmachtfetzen „The Artist“ mit der ewigen Grinsekatze Jean Dujardin hat dies leider nicht gemacht, sondern kopiert einfach nur alte Werke, feiert sich auf Kosten der Vergangenheit selbst und tritt dabei auf der Stelle – fast 100 Minuten lang. Was kommt als nächstes? Ein Michael-Bay-Blockbuster, der in „charmanter“ Weise mit Knetfiguren und Stopmotion-Technik arbeitet. Hach, wie nostalgisch! Und gewagt.
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Deutscher Kinostart: 26. Januar 2012
Originaltitel: The Artist
Produktionsjahr: 2011
Regie: Michel Hazanavicius
Drehbuch: Michel Hazanavicius
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Delphi Filmverleih

Filmkritik: Tag und Nacht

DÜMPEL-DRAMA ÜBER EDELNUTTEN IN ÖSTERREICH

5 von 10 Punkten

Lea und Hanna sind Studentinnen und pleite. Natürlich könnten sie kellnern aber warum nicht richtig Geld verdienen und als Callgirl arbeiten? Zwischen Neugierde und Befremden stürzen sie sich in ein Abenteuer zwischen Tag und Nacht. Die Freier sind normale Familienväter, gelangweilte oder auch gestresste Manager, Handelsreisende, junge Männer. Irgendwie scheint dieser Job gar nicht so unlustig. Langsam gehört der Job für Hanna und Lea zum Alltag. Dafür entfernt sich das normale Leben immer mehr. So einfach lassen sich Studium und Escort-Service, Studentin und Callgirl offenbar doch nicht vereinen. Erste Konflikte tauchen auf. Erste Jobs, die Grenzen überschreiten und es stellt sich den beiden die Frage, wie weit sie für Geld gehen würden.

Kritik: Kaum Inhalt, viel nacktes Fleisch. Sabine Derflinger inszeniert einen Film über zwei beste Freundinnen, die noch Träume haben, ihr Leben durch einen Nebenjob als Prostituierte finanzieren. Die Filmemacherin konterkariert den normalen Alltag der beiden mit den Besuchen bei unterschiedlichen Freiern. „Tag und Nacht“ will scheinbar einen unverstellten Blick auf die Welt der Escorts werfen, will schonungslos aufdecken. Aber entlarvt wird hier gar nichts. Denn wer glaubt noch, dass das Leben eines Escort-Girls glamourös und wunderschön ist. So naiv dürfte/sollte niemand sein. Als Edel-Nutte muss eben jeder Fetisch bedient werden, es wird gesoffen, gekokst und geheult. Denn dafür rollt der Rubel. Was für eine Überraschung.

Und so kommt am Ende eben eine mäßige wenn auch ehrliche Momentaufnahme mit blassen Akteuren heraus. Die körperliche Freizügigkeit der Darsteller sollte nämlich nicht mit einem intensiven Spiel verwechselt werden. Und so dümpelt dieses leider doch recht substanzlose Escort-Drama ziellos vor sich hin und wäre dementsprechend als kleines Fernsehspiel im Spätprogramm besser aufgehoben als auf der viel zu großen Kinoleinwand. Übrigens: Wer in die Materie Prostitution/Freier tiefer einsteigen möchte, sollte die informative und sehr unterhaltsame Graphic Novel „Paying for it“ von Chester Brown lesen.
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Deutscher Kinostart: 19. Januar 2012
Originaltitel: Tag und Nacht
Produktionsjahr: 2010
Regie: Sabine Derflinger
Drehbuch: Sabine Derflinger, Eva Testor
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: W-Film

Filmkritik: Die Muppets

NETTES WENN AUCH ÜBERLANGES MUPPETS-COMEBACK

7 von 10 Punkten

Walter (ein neuer Muppet!) ist der größte Muppets-Fan der Welt. Mit seinem Bruder Gary (Jason Segel) und dessen Freundin Mary (Amy Adams) macht er Urlaub in Los Angeles und findet zufällig heraus, dass der Ölmagnat Tex Richman (Chris Cooper) das alte Theater der Muppets dem Erdboden gleich machen will, weil er in der Nähe Ölvorkommen wittert. Das Trio fackelt also nicht lange. Zu dritt helfen sie dem aufgebrachten Frosch Kermit, die verrückte Truppe von einst wieder zusammen zu trommeln, um das Theater zu retten. Doch das ist leichter gesagt, als getan…

Kritik: Die Autoren Jason Segel und Nicholas Stoller greifen den Geist der alten Reihe gut auf. Mit viel Gesang und Tanzeinlagen zerrt man den Zuschauer in das schrill-nostalgische Puppentheater, lässt ihn noch mal in die eigene Kindheit erfahrbar machen. Schön. Aber abseits der Fanbrille steht eben auch fest: Trotz der selbstironischen Zwischentöne und dem manchmal herrlich anarchischen Trubel trägt die lapidare Comeback-Geschichte der Hollywood-Puppen keine 100 Minuten.

Kermit und Co. sind ein spaßiger Haufen. Jedoch schwächelt „Die Muppets“-Produktion gerade durch ihre menschlichen Akteure. Besonders das eindimensionale auf Dauer-Happy gepolte Blödchen des All-American-Girl, von der armen Amy Adams verkörpert, ist ziemlich nervraubend. Da können auch ein rappender Chris Cooper (großartig!) und die schönen Cameos (wie Dave Grohl, Zach Galifianakis oder Neil Patrick Harris) wenig retten. Die goldene Regel lautet: Mehr Muppets, weniger Menschen! Egal. Denn nach einer Stunde wird das chaotische Musical etwas anstrengend, bleibt eintönig, für manche vielleicht auch zu brav. Aber für dieses Spartenpublikum gibt es ja immer noch „Meet the Feelbes“. Ansonsten: „Die Muppets“ ist für Fans das zu erwartenden Muss, ein großes Fest, für den Rest mag dieser Filztierschaulauf sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig sein.
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Deutscher Kinostart: 19. Januar 2012
Originaltitel: The Muppets
Produktionsjahr: 2011
Regie: James Bobin
Drehbuch: Jason Segel, Nicholas Stoller, basierend auf Charakteren von Jim Henson
Text: Arne Hübner
Bild und Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH